Der Brief
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Gewitternacht

***Laut prasselte der regen gegen die Fensterscheibe. Dei Blätter rauschten betäubend und die Stämme bogen sich unter der Kraft des brausenden Windes. Lelia saß in ihrem Zimmer und starrte in den Sturm. Kurz zuckte ein Blitz über den Himmel, erhellte das dunkle Zimmer. Nur wenige Augenblicke später folgte ein atemberaubender Donner der Lelia zusammenzucken lies. Hunderte Blätter wirbelten vor ihrem Fenster umher als würden sie gejagt. Lautes Motorengeräusch erklang, erstarb bald darauf jedoch wieder. Die Geräusche des Sturms übertönten Lelias Atemzüge. Immer und immer wieder erhellten die zuckenden Blitze Lelias kleines Zimmer und machten den Blick frei auf ein kleines, auf dem Boden zusammengekauertes Mädchen. Sie war blass und in ihren dunklen, weit aufgerissenen Augen spiegelte sich die Einsamkeit. Es waren traurige und ängstliche Augen. dann war alles wieder dunkel. ganz in der nähe tobte ein Hund und sein lautes bellen hallte in Lelias Kopf wieder wie eine Sirene. Ihr Kopf schmerzte und sie presste ihre zarte Hand an die pochende Stirn. der Sturm rüttelte an ihrem Fenster. Einmal schleuderte er etwas weißes gegen die Scheiben, vermutlich eine Plastiktüte. >Wenn man ihnen doch nur helfen könnte< dachte Lelia. Das Gewitter nahm zu und es zuckten unentwegt Blitze über den Himmel. Riesige Hagelkörner drohten die Scheiben zu zerschlagen. Auf einmal spürte sie einen zerreißenden Stich in ihrem Herzen. Jetzt war alles zu spät. Ihre Eltern waren tot. Eine Träne rollte aus ihrem Auge und bahnte sich ihren Weg, die Wange herunter bis sie schließlich auf das dünne Nachthemd tropfte und dort versiegte. Hätten ihre Eltern doch bloß auf sie gehört und währen nicht noch einmal auf den nahen See gefahren, nur um von ihrem kleinen Boot aus den Sonnenuntergang zu genießen. Dann würden sie jetzt noch leben. Langsam stand Lelia auf und wandte sich um. Auf ihren winzigen Füßen tapste sie durch das Haus. Plötzlich sah alles so fremd, einsam und verlassen aus. Ihr Kopf war voll von Erinnerungen an die Eltern. Diese Erinnerungen schmerzten. Lelia stieß einen lauten, schrillen Schmerzensschrei aus. Als sie im Schlafzimmer ihrer Eltern stand fiel ihr Blick auf die Balkontür. Sie lief hinüber und riss die Türen auf. Regen klatschte auf ihre Haut und eisiger Wind schlug ihr die tanzenden Blätter entgegen. Die Hagelkörner hinterließen schmerzende Stellen auf ihrer Haut doch das schien sie kaum zu spüren. Verbissen lief sie weiter. Ihre Tränen vermischten sich mit dem Regen und ihr dünnes Hemdchen wirbelte tropfnass um ihren dürren Körper. Wie ein Geist sah sie aus wie sie dort blass, mit bloßen Füßen die Treppe hinab in den Garten lief, doch niemand sah sie. Niemand dachte an sie. Sie war ganz allein auf dieser Welt. Entschlossen lief sie in Richtung See. Als sie ihr Ziel erreicht hatte suchte sie sich wie in Trance einen großen Stein und umklammerte ihn fest. Während das Gewitter noch immer über ihr tobte ging sie los, hinein in die schlagenden Wellen, zurück zu ihren Eltern. Noch lange nachdem sie in den Fluten ihr Leben gelassen und zu ihren Eltern gekommen war zuckten die Blitze über den Himmel und laut grummelten die Donner.***