Der Brief
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***Langsam näherte sie sich ihm, doch wiedereinmal zuckte er zurück. Was hatte sie ihm denn getan? Was hatte sie verbrochen? Immer und immer wieder näherte sie sich ihm und genau sooft wicher zurück. Seit einigen Wochen ging das nun so. Anfangs noch sehr häufig doch langsam gab sie auf. Sie konnte es nicht mehr ertragen, jedes mal gab es ihr einen Stich ins Herz. Immer öfter nannte sie ihn wieder bei seinem vollem Namen, Andreas.

Warum machte sie es ihm so schwer? Ständig versuchte sie, sich ihm zu nähern. Merkte sie denn nicht, dass sie ihn nur nervte, er nichts mehr von ihr wollte? Nur wegen ihr musste er diese seelischen Schmerzen durchhalten. Zumindest redete er sich das so ein. Doch, je länger er darüber nachdachte, desto mehr wurde ihm klar, dass er selbst die Schuld trug.Warum hätter er Josh eigentlich das Versprechen gegeben, sich von ihr fern zu halten? Damit er nicht mehr allein kiffen musste? Stück für Stück wurde ihm bewusst, dass er sie noch liebte, über alles in dere Welt. Er wollte es nur nicht eingestehen. Vor kurzem hatte sie ihn wieder Andreas genannt. Es quälte ihn regelrecht, seinen vollen Namen aus ihrem Mund zu hören. Doch was tun?

Sie stand in sicherer Entfernung zu ihm im Schatten einiger Büsche. Wie sooft in letzter Zeit stand er dort mit dieser seltsamen Clique und rauchte. Zum richtigen Kettenraucher war er geworden. Sie versuchte sich zu erinnern seit wann das so war. Nach einigem grübeln fiel ihr auf, dass das ungefähr zu der Zeit angefangen hatte, als auch seine Abneigung ihr gegenüber. Ob es da einen Zusammenbhang gab!? Nein, sicher nicht. Wieder waren da diese Fragen.

Sturz betrunken taumelte er zur Bar. Alles drehte sich. Er bestellte einen weiteren Drink, doch der Kellner erwiederte, dass die Kneipe nun schließen würde. Etwas untverständliches lachend lief er hinaus. Dort lief er in Schlangenlienien durch den nahegelegenden Park und pinkelte an einen Baum. Langsam aber sicher wurde er wahnsinnig wütend. Auf Josh, den Kellner, die ganze Clique, seine Familie, seine Mitschüler sich selbst und, ja, auch auf Sie, Annika. Doch warum zum Teufel war er wütend auf Annika? Eigentlich müsste sie doch sauer auf ihn sein... Während er so dachte, begann er, auf einen Mülleimer einzuteten. Erst noch leicht, dann immer fester. Als der Mülleimer kaputt war trat er auf den nächsten ein und immer weiter. Als im Park bestimmt zehn kaputte Mülleimer und wahnsinnig viel Müll herumlag torkelte er schreiend auf die Straße. Laut beschimpfte er sich selbst. Trat gegen Autos und Bäume. Plötzlich hörte er das laute grummeln eines LKWs. Blitzschnell drehte er sich um, doch zu spät. Man hörte ein lautes krachen und quietschende Bremsen.

Weinend brach sie zusammen. Soeben hatte man ihr die schreckliche Nachricht überbracht. Er war tod. Überfahren von einem LKW. Andscheinend war er betrunken gewesen. Doch warum er?? Sie liebte ihn doch noch. Wie sollte sie denn ohne ihn leben? Wollte sie das überhaupt? Nein, sicher nicht. Sie wollte nur zu ihm. Früher, als er sich ihr noch nicht abgewandt hatte, saßen sie oft zusammen auf einem kleinen Hügel vor der Stadt. Während sie sich den Sonnenuntergang anguckten diskutierten sie häufig über den tod und das was danach kommen würde. Nun wusste er bescheid. Wie gern wäre sie jetzt in seiner nähe. Der Gedanke daran, ihn nie wieder zu sehen, zu berühren oder seine Stimme zu hören machte sie rasend. Sie wollte nicht länger unter den lebenden bleiben. Langsam schlenderte sie durch einen Park, denselben durch den auch Andreas kurz vor seinem tot gelaufen war, doch das konnte sie ja nicht wissen. Ihr Entschluss stand fest. Als es begann zu dämmern lief sie aus der Stadt auf den Hügel und sah dem Sonnenuntergang zu. Sie dachte an die vielen schönen Stunden die sie gemeinsam mit ihm hier verbracht hatte. Wie sie sich geküsst, gekuschelt. geredet oder einfach nur geschwiegen hatten. Erst als auch der letzte funken Licht verschwunden war und der Mond das schwarze Meer silbern glänzen ließ lief sie langsam zurück in richtung Stadt, ging jedoch nicht weiter als bis zu einer hohen Autobahnbrücke. Lange sah sie nur den vorbeifahrenden Autos zu. Ein letztes mal sah sie zum Mond auf. Dann löste sie langsam ihre Finger vom Geländer und stürzte in die Tiefe.