Der Brief
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Der Brief
***Leicht plätscherte das Wasser als er seinen Fuß hineinstellte. Dann den zweiten. Er ließ sich in die heiße Wanne gleiten und tauchte unter. Lange blieb er unter Wasser. Bis auch die aller letzten Luftreserven aufgebraucht waren und er kurz davor stand blau anzulaufen. Langsam tauchte er wieder auf. Seine Hände spielten mit dem weichen Wasser. Malten Kreise, mal große, mal kleine. Er genoss dieses Bad. Sein letztes. Mit der Zeit stiegen auchseine Füße in den Takt ein. Vier Kreise bildeten sich auf der Wasseroberfläche. Mal größer mal kleiner. Ein Luftzug stieß durch den kleinen Raum und lies die Kerzen flackern. Er lag einfach nur da, starrte auf seine Kreise und lauschte dem Sturm und dem plätschern des Wassers. Im Nebenraum quietschte das Bett. Sie hatte sich im schlaf umgedreht. Er stellte sich vor wie sie dort lag, klein zusammengerollt. Wie ein kleines Kind. Ob sie es wohl verstehen würde? Alles hatte er ihr aufgeschrieben. Kurz bevor er das Badewasser eingelassen hatte. Ein weiterer Luftzug lies die kleinen Flammen erzittern. Eine erlosch. Eine seiner Hände löste sich aus dem ewigen Kreis und zündete sie wieder an. Die vielen Kerzen hüllten den kleinen Raum in ein vertrautes Licht. Ihre Flammen spiegelten sich im Wasser wieder. Da sein Muster unterbrochen war hörten nun auch die Füße und die andere hand auf, Kreise zu drehen. Das Wasser beruhigte sich wieder. Ganz still lag er da, rührte sich nicht. So war es ihm am liebsten. Ganz still. Nur so konnte er dem tristen Alltag entfliehen. Bald würde er das nicht mehr brauchen. Sicher, vielleicht würde sie ihn vermissen. Doch sie würde ihn vergessen. So wie auch alle anderen. Und dann könnte sie endlich in Frieden leben. Sein Entschluss stand fest. Es war seine Entscheidung zu gehen. Er hatte keinen anderen Weg gefunden. So war es das beste. Langsam wurde es Zeit. Draußen tobte noch immer der Sturm und gab dem ganzen noch einen perfekten Kick. Ja, es war der perfekte Zeitpunkt. Langsam griff er auf dem Wannenrand nach der Rasierklinge. Sie war eiskalt. Leise plätscherte das heiße Wasser. Er nahm die Klinge und schaute sie sich an. Sie reflektierte den hellen Schein der Kerzen. Das kalte Eisen glitt über seinen Arm. Suchte eine schöne Stelle und schnitt tief in seinen Arm. Dunkles Blut lief seinen Arm hinab und tropfte mit einem leisen Platschen tropfen für Tropfen in das klare Wasser. Immer wieder stieß er zu und hinterließ kalte Schnitte in seinem Arm. Das Blut floss und färbte das Wasser langsam rot. Immer tiefer wandert die Klinge. Den Schmerz spürt er nicht. Er genoss es. Er wusste, bald war er frei. Es war so weir. Leicht fuhr er mit der Klinge seine Pulsader nach. Sie hinterließ eine hellrote Linie. Dann stieß er zu. So fest er konnte. Um sicher zu gehen schnitt er sich auch in das andere Handgelenk. Das Blut sprudelt aus den Wunden. Es fiel ihm immer schwerer zu atmen. Er lies die Hände sinken. Sie klatschen in das heiße Wasser. Alles verschwamm vor seinen Augen. Er schnappte nach Luft. Dann wurde alles schwarz. Ein Lächeln legte sich auf sein Gesicht. Es hatte nicht sein sollen und nun war er frei. Endlich.***