Der Brief
Gratis bloggen bei
myblog.de

*** Jetzt war ich also eine allein erziehende Mutter. Still liefen mir Tränen die Wangen runter. Ich schloss die Tür zu meiner neuen Wohnung auf. Mh, sie war ziemlich klein doch für mehr hatte das Geld welches mir bei der Scheidung zugeteilt worden war nicht gereicht. Wahrscheinlich würde es -trotz dem Kindergeld welches ich nun Regelmäßig von Abis Vater bekommen würde- nicht für uns beide reichen. Vorsichtig legte ich die schlafende Abi in ihr kleines Bettchen. Sie war alles was ich noch hatte. Ok, nicht ganz. Da war noch meine Schwester aber sonst niemand. Ich schlüpfte aus meinen Klamotten und kuschelte mich in das schmale Bett. Lange dachte ich einfach nur nach. Wäre es nicht besser für Abi wenn sie bei Karin, meiner Schwester, aufwachsen würde? Ja, sicher war das besser. Dort würde sie alles bekommen was sie bräuchte. Außerdem wollte ich unter diesen Umständen nicht mehr leben. Also könnte ich Karin das wenige Geld was ich besaß sozusagen als 'Startkapital' geben. Morgens um drei stand mein Entschluss fest, alles war geplant. Ich setzte mich an den Tisch und fing an, Karin einen Brief zu schreiben.
~Liebes Schwesterherz.
Wenn du diesen Brief liest bin ich schon nicht mehr. Ich kann und will unter diesen Umständen nicht mehr leben. Lange habe ich über diesen Entschluss nachgedacht und glaube mir, es ist das beste. Für mich und vorallem für Abi. Auf kurz oder lang hätte ich sie ja doch nicht versorgen können. Das Geld war einfach zu knapp. Und dazu noch meine Arbeitslosigkeit. Aber ich habe eine Bitte. Kümmer dich gut um Abi. Ihr beide wart alles was ich nach der Scheidung noch hatte. Bitte schicke sie nicht ins Kinderheim sondern nehme sie bei dir auf. Du bekommst alles was ich zurück gelassen habe. Lass das Kindergeld welches ich von Arno für meine Mausi bekommen hätte auf dein Konto überweisen. Ich möchte das Abi es im Gegensatz zu mir es mal zu etwas bringt. Ich liebe euch doch ich kann nicht mehr.
Deine Schwester Marion~
Während ich schrieb liefen mir wieder Tränen übers Gesicht und tropften auf das Papier. Nun legte ich den Stift beiseite und steckte den Brief in einen Umschlag. Dann holte ich Abi's Tragekörbchen und ging in ihr Zimmer. Sie war so wahnsinnig süß wenn sie schlief. Vorsichtig nahm mich sie aus ihrem kleinen Bettchen. Ebenso Vorsichtig zog ich sie dicker an und brachte sie ins Wohnzimmer. Auch während ich sie in ihr Körbchen legte und zudeckte schlief sie wie ein kleiner Engel. Dann nahm ich mir noch eine leere Flasche aus der Küche und lief aus der Wohnung. Ich musste einmal quer durch die ganze Stadt laufen bis ich vor Karins Haus stand. Das Haus war von einer hohen Hecke umgeben so dass niemand meine süße Maus sehen und mitnehmen konnte. Behutsam stellte ich das Körbchen mit Abi auf die Fußmatte und legte den Umschlag und meinen Wohnungsschlüssel daneben. Ein letztes mal streichelte ich meiner kleinen über den Kopf und küsste sie auf die Stirn. Dann lief ich davon. Auf einer großen Wiese außerhalb der Stadt zertrümmerte ich die Flasche und hob eine der Scherben auf. Ich lehnte mich an einen großen Baum und sah mein ganzes Leben vor meinen Augen vorbeilaufen. Als die Sonne aufging setzte ich die Scherbe an und schloss die Augen. Dann schnitt ich zu. Blut spritzte und alles wurde Schwarz. Wenige Minuten später war ich tot. ***